Hallo zusammen,
ich hab mir vor ein paar Monaten eine Split-Klimaanlage zugelegt, SEER-Wert liegt laut Datenblatt bei 8,5 – also eigentlich ziemlich effizient. Jetzt bin ich aber Vollzeitbeschäftigt und die Anlage läuft tagsüber oft komplett durch, weil ich morgens einschalte bevor ich zur Arbeit gehe und abends dann heimkomme. Ob das so sinnvoll ist oder ob ich damit den theoretischen Wirkungsgrad komplett zunichte mache, weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Meine konkrete Frage: Welcher Betriebsmodus bringt in der Praxis tatsächlich die niedrigsten Kosten? Ich habe gelesen, dass ein konstanter Betrieb auf mittlerer Stufe effizienter sein soll als ständiges An- und Abschalten – stimmt das bei Inverter-Geräten wirklich? Und macht es Sinn, z.B. die Zieltemperatur tagsüber auf 27-28°C zu setzen damit das Ding nicht so stark kühlen muss, und dann abends auf 23°C runterzuregeln wenn ich daheim bin?
Außerdem: Lohnt sich der Eco-Modus bei der Hitze die wir gerade haben (es sind draußen regelmäßig 35°C+) oder schaltet der Kompressor dann eh permanent durch weil er gegen die Außentemperatur ankämpft?
Ich möchte nicht blind auf Autopilot fahren und am Ende eine Stromrechnung haben die mich schockt. Würde mich freuen wenn jemand mit ähnlicher Situation aus Erfahrung berichten kann.
Was du mit der Temperaturstrategie beschreibst klingt sinnvoll, das mach ich ähnlich. Ich laß die Anlage tagsüber nicht ganz aus aber auch nicht auf voller Kühlung durchlaufen – irgendwas um die 26-27°C als Ziel, dann bleibt die Wohnung erträglich und der Kompressor muss abends nicht von 34°C runter. Das schont nach meinem Gefühl auch das Gerät.
Zur Hygiene noch ein kurzer Hinweis am Rande, weil bei Dauerbetrieb im Sommer der Verdampfer viel Kondenswasser produziert: Regelmäßige Reinigung nicht vergessen, sonst entwickelt sich da schnell was unschönes. Ich hab mich da zuletzt intensiv damit beschäftigt und kann sagen dass man das wirklich nicht schleifen lassen sollte.
Zur Frage ob Dauerbetrieb bei Invertegeräten sinnvoller ist als An/Aus: Ja, das stimmt grundsätzlich. Inverterkompressoren sind darauf ausgelegt, im Teillastbereich mit hoher Effizienz zu laufen. Jeder Kaltstart kostet Anlaufstrom und dauert bis das System seinen optimalen Arbeitspunkt erreicht. Bei deiner Situation – Vollzeit weg, Wohnung heizt tagsüber auf – würde ich die Solltemperatur eher auf 25-26°C setzen statt 28°C, weil das Gerät bei 28°C Zieltemperatur und 34°C Raumtemperatur trotzdem ordentlich ackern muss wenn du abends heimkommst.
Was den SEER im Sommer angeht: Bei den aktuellen Außentemperaturen wirst du den Laborwert nicht erreichen, das ist Physik. Aber du kannst den relativen Verbrauch trotzdem optimieren – Rollläden tagsüber schließen ist oft unterschätzt, das entlastet die Anlage erheblich und kostet null Strom.
Ich bin noch blutiger Anfänger was Klimaanlagen angeht und hab meine erst kürzlich in Betrieb genommen, also nimm das mit Vorsicht – aber ich hab mich beim Thema Filterreinigung schon etwas eingelesen (hab dazu Filterreinigung selbst gemacht – welche Sprays lohnen sich wirklich? verfolgt) und dabei mitgenommen, dass verstopfte Filter den Stromverbrauch merklich erhöhen. Falls du das noch nicht regelmäßig machst, würde ich das als erstes checken. Bei dem Staub den die Anlage im Sommer durchpustet kann das Filter schnell dicht sein.
Ich beschäftige mich auch gerade intensiv mit dem Thema Effizienz, allerdings aus nem anderen Blickwinkel – ich suche noch ein Gerät und schaue mir deshalb die Verbrauchswerte sehr genau an bevor ich kaufe. Was ich dabei gelernt hab: Der SEER-Wert wird unter Laborbedingungen gemessen, also bei moderaten Außentemperaturen und nicht bei 35°C Dauerhitze wie gerade. Bei so hohen Außentemperaturen sinkt der tatsächliche COP spürbar, weil der Verflüssiger weniger effizient arbeitet. Das heißt du wirst deinen Maximal-SEER so nicht erreichen.
Trotzdem würde ich nicht auf Eco-Modus verzichten – der drosselt in der Regel nur die Lüfterstufe, nicht den Kompressor direkt, was im Teillastbetrieb durchaus sinnvoll ist. Die Strategie mit 27-28°C tagsüber klingt vernünftig, weil das Gerät dann nicht gegen eine aufgeheizte Wohnung ankämpfen muss wenn du heimkommst. Dauerbetrieb auf niedriger Solltemperatur ist bei Invertern generell effizienter als komplett ausschalten und abends kalt kühlen müssen.