Hallo zusammen,
seit meiner Pensionierung habe ich endlich die Zeit, mich wirklich intensiv mit meiner Split-Klimaanlage zu beschäftigen – und je tiefer ich einsteige, desto mehr beschäftigt mich die Frage nach den Kältemitteln. Konkret geht es mir um R290 (Propan) als Alternative zu R32, das ich aktuell noch in meiner Anlage habe.
Die F-Gase-Verordnung und die ganzen GWP-Diskussionen verfolge ich schon eine Weile, und eigentlich bin ich überzeugt, dass R290 von der Umweltbilanz her kaum zu schlagen ist – GWP von 3 ist ja fast nichts im Vergleich zu R32 mit 675. Aber dann stolper ich immer wieder über die Brandschutzauflagen, die Sicherheitsabstände, die speziellen Werkzeuge die man braucht, und vor allem die Frage: Welche handelsüblichen Splitgeräte laufen überhaupt mit R290 und sind auch für den privaten Betrieb zugelassen?
Mir geht es nicht darum, selbst Hand anzulegen am Kältemittelkreis – ich weiß, dass das zertifizierten Betrieben vorbehalten ist. Aber ich möchte verstehen, ob es beim nächsten Gerätetausch überhaupt sinnvoll ist, auf R290 zu setzen, oder ob die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Fachbetrieben, die R290 wirklich beherrschen, noch ein echtes Problem darstellt.
Hat jemand von euch konkrete Erfahrungen damit? Oder ist R290 im Heimbereich aktuell noch mehr Theorie als Praxis?
Viele Grüße
Horst
Interessante Frage, die mich als Neueinsteigerin auch beschäftigt! Ich habe mich zuletzt mit der Frage befasst, ob ich überhaupt das richtige Gerät gewählt habe (mit R32), und dabei bin ich auf R290 eigentlich kaum gestoßen – zumindest nicht bei den gängigen Marken im Haushaltsbereich.
Mein Eindruck aus der Recherche: R290 ist bisher vor allem in Kühlschränken und gewerblichen Anwendungen verbreitet, bei Split-Klimaanlagen für Privatnutzer ist das Angebot wirklich noch dünn. Das hat wohl auch mit den Brandschutzvorschriften zu tun – die Füllmenge bei R290 ist ja aus Sicherheitsgründen begrenzt, was die mögliche Kühlleistung einschränkt.
Für Ihren nächsten Gerätetausch würde ich ehrlich gesagt erstmal schauen, was die Fachbetriebe in Ihrer Nähe überhaupt anbieten und warten können. Nützt ja nichts, das ökologisch idealste Gerät zu haben, wenn bei einer Störung kein Techniker in vernünftiger Entfernung damit umgehen kann. Ich kämpfe selbst gerade mit einem Fehlercode und merke, wie wichtig ein guter Service vor Ort ist.
Kurz aus meiner Planungsperspektive: Ich hab bei meinem Reihenhausprojekt R290 auch kurz in Betracht gezogen, aber schon bei der Rohrleitungsplanung wird's kompliziert – bei brennbaren Kältemitteln gelten andere Vorschriften für die Leitungsführung durch Wände und Räume. Das hat mir ehrlich gesagt gereicht um erstmal bei R32 zu bleiben.
R290 im Heimbereich ist aktuell leider noch weitgehend Theorie, zumindest was fertige Split-Systeme für Privatkunden angeht. Ich habe bei meiner Modellrecherche – ich vergleiche ja regelmäßig anhand von SEER-Werten – bisher kaum Geräte gefunden, die R290 nutzen und dabei auch noch vernünftige Effizienzwerte liefern.
Das liegt unter anderem an der maximal zulässigen Kältemittelfüllmenge für Propan in Innenräumen, die nach EN 378 auf rund 150 Gramm begrenzt ist (für bestimmte Aufstellungssituationen). Das reicht für kleine Kühlleistungen, aber für ein normales Wohnzimmergerät ab 2,5 kW wird es eng.
Für die Planung würde ich an Ihrer Stelle R290 als Perspektive im Blick behalten, aber den aktuellen Kauf auf R32 ausrichten. Die F-Gase-Verordnung wird R32 langfristig ebenfalls unter Druck setzen, aber für die nächsten Jahre ist die Serviceverfügbarkeit einfach besser. Und wenn Sie konkrete Energieverbrauchsdaten aus dem laufenden Betrieb auswerten wollen – das lohnt sich wirklich, um zu sehen ob das Gerät im Alltag hält was der SEER-Wert verspricht.
Ich sehe das ehrlich gesagt etwas skeptischer als viele hier im Forum. R290 klingt auf dem Papier überzeugend, aber die Praxisrealität sieht momentan anders aus.
Das eigentliche Problem ist nicht das Kältemittel selbst, sondern die gesamte Infrastruktur drumherum. Ich habe damals meine Anlage selbst installiert und dabei gemerkt, wie viel Fachwissen schon bei R410A nötig ist – bei R290 kommt noch die Brennbarkeit als Klasse A3 dazu, was komplett andere Anforderungen an Lagerung, Leitungsführung und Werkzeug stellt. Nicht jeder Klimatechniker macht das, und viele wollen es schlicht nicht.
Verfügbarkeit von Ersatzteilen für R290-Splitgeräte im Heimbereich – da bin ich gespannt, wie das in fünf Jahren aussieht. R32 ist zumindest flächendeckend etabliert und die Servicedichte stimmt. Ich würde beim nächsten Kauf eher auf ein sehr effizientes R32-Gerät setzen und auf die Marktentwicklung warten. Hatte das Thema schon im CH38-Thread am Rande, dort ging es aber mehr um Wartungszugänge.