Ich beschäftige mich schon seit einigen Jahren damit, die offiziellen Effizienzangaben der Hersteller mit der Realität abzugleichen. Beim SEER im Kühlbetrieb hab ich das mittlerweile ganz gut im Griff – da messe ich Stromverbrauch per Zwischenstecker-Messgerät und vergleiche mit dem tatsächlichen Kühleffekt. Aber beim COP im Heizbetrieb bei niedrigen Außentemperaturen tue ich mich schwerer.
Konkret: Meine Anlage (Inverter-Split, R32, Nennheizleistung laut Datenblatt 3,5 kW) läuft im Winter manchmal bei Außentemperaturen um die 2°C. Der Hersteller gibt für A7/W20 einen COP von 4,1 an – aber das ist ja ein Normprüfpunkt. Ich will wissen, wie der COP bei tatsächlichen 2°C Außenluft wirklich aussieht.
Meine Frage: Wie messe ich die tatsächlich abgegebene Wärmeleistung im Raum? Den Stromverbrauch kriege ich hin, aber die thermische Seite ist kniffliger. Brauche ich dafür einen Wärmemengenzähler auf der Luftseite? Gibt es eine praktikable Methode für Laien ohne Spezialmessequipment? Und: Ist es überhaupt sinnvoll, einen Momentan-COP zu berechnen, oder ist nur ein Stunden- oder Tagesmittelwert aussagekräftig?
Ich frage das im Juni, weil ich jetzt in Ruhe planen will, wie ich im nächsten Winter systematisch messe – bevor wieder alle nur über Kühlung reden.
Gute Planung, das jetzt schon anzugehen. Zur thermischen Seite: Die sauberste Methode ohne Spezialmessequipment ist die Einraumkalorimetrie – du dämmst den Raum so gut wie möglich ab (Türen zu, keine anderen Wärmequellen), misst Volumen, loggst Temperaturanstieg über Zeit und rechnest über die Wärmekapazität der Luft. Klingt grob, funktioniert aber als Näherung ganz brauchbar wenn du Möbel/Wände als thermische Masse mit einkalkulierst – was schwierig ist, ich weiß.
Zum Momentan-COP: Das macht meiner Einschätzung nach wenig Sinn, weil Inverter-Geräte ständig die Leistung modulieren. Mindestens Stundenmittel, besser Tagesmittelwert. Dazu brauchst du einen Datenlogger für Strom, nicht nur einen Momentanzähler.
Was mich bei deiner Anlage noch interessieren würde: Welches Kältemittel? R32 verhält sich bei 2°C Außentemperatur thermodynamisch anders als z.B. R290 – besonders was Verdampfungsdruck und Effizienz bei niedrigen Quelltemperaturen angeht. Bei R290-Geräten sehe ich da reell oft bessere Werte als auf dem Datenblatt, bei R32 ist das uneinheitlicher.