Hallo zusammen,
wir wohnen in einer Wohnung mit knapp 90m², die Wohnung ist nach Süden ausgerichtet und wir haben eine ziemlich große Fensterfront – fast die komplette Südseite ist verglast. Laut einem Kühlastrechner aus dem Internet kommen wir auf einen Bedarf von ca. 3,5 kW. Wir haben uns dann ein Gerät mit 3,5 kW Nennleistung gekauft, also eigentlich genau passend.
Das Problem: An wirklich heißen Tagen – und diesen Juni hatten wir ja schon einige davon – läuft das Ding von morgens bis abends auf voller Pulle. Ich meine, die Zieltemperatur von 23°C wird zwar irgendwann erreicht, aber dann nur knapp gehalten. Das Gerät schaltet eigentlich nie in einen ruhigeren Modus.
Jetzt frage ich mich: Verbraucht ein Gerät, das dauerhaft auf Volllast läuft, weil es eigentlich zu schwach dimensioniert ist, am Ende mehr Strom als ein größeres Gerät, das die Solltemperatur schneller erreicht und dann runterschaltet? Oder ist das egal, weil am Ende ja die gleiche Wärmemenge aus dem Raum muss?
Bin eigentlich technisch nicht völlig unbewandert, aber Kältetechnik ist dann doch Neuland für mich. Hat jemand damit Erfahrung oder Messwerte? Würde mich auch interessieren, ob der Kühlastrechner vielleicht zu optimistisch gerechnet hat bei der Verglasung.
Die kurze Antwort: Ja, ein unterdimensioniertes Gerät kann tatsächlich mehr Strom verbrauchen – aber nicht aus dem Grund, den viele vermuten.
Die Physik hinter der abzuführenden Wärmemenge ist erstmal neutral – die muss raus, egal welches Gerät. Aber ein Gerät, das permanent auf Volllast läuft, arbeitet thermodynamisch ungünstiger als eines, das im Teillastbetrieb modulieren kann. Der COP (also das Verhältnis von Kühlleistung zu aufgenommener Leistung) ist bei Inverter-Geräten im mittleren Drehzahlbereich oft deutlich besser als beim Maximalbetrieb.
Dazu kommt: Wenn das Gerät gerade so an der Grenze arbeitet, kämpft es ständig gegen den Wärmeeintrag an, ohne je wirklich Puffer aufzubauen. Besonders bei starker Süd-Verglasung unterschätzen Onlinerechner regelmäßig den solaren Eintrag – 3,5 kW ist da oft zu knapp bemessen.
Mein Rat: Schau mal ob du die Werte etwas konservativer eingeben kannst (Verglasung ohne Sonnenschutz, Vollbelegung), dann kommt man bei eurer Situation eher auf 4,5 bis 5 kW. Ein größeres Invertergerät würde dann effizienter laufen und die Räume auch tatsächlich kühlen statt nur zu kämpfen.