Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit dem Thema Heizkosten, weil mein Nachbar seit letztem Winter sein Gas komplett abgeklemmt hat und ausschließlich über seine Split-Klimaanlage heizt. Er schwört Stein und Bein, dass er deutlich weniger zahlt als vorher mit Gas. Ich bin ehrlich gesagt skeptisch.
Bei milden Temperaturen um die 10°C glaube ich ihm das noch. Aber letzten Januar hatten wir hier mehrere Wochen unter 5°C, teilweise sogar um die -5°C. Ich hab mal gelesen, dass Wärmepumpen bzw. Klimaanlagen bei solchen Temperaturen deutlich ineffizienter werden und der COP stark sinkt. Also praktisch: je kälter es draußen ist, desto mehr Strom braucht das Gerät für die gleiche Wärmeleistung.
Jetzt frage ich mich: Ab welcher Außentemperatur kippt das Verhältnis wirklich? Sein Gerät ist glaube ich ein neueres Modell mit Inverter-Technologie, irgendwas von Mitsubishi oder Daikin. Er hat ein relativ kleines Haus, vielleicht 80-90m², und sagt er zahlt im Monat kaum mehr als 60-70 Euro Strom fürs Heizen.
Stromt bei uns mittlerweile etwa 32 Cent die kWh, Gas liegt so bei 9-10 Cent pro kWh Wärme wenn man den Wirkungsgrad einrechnet. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das bei Extremkälte nicht mehr aufgehen kann – aber vielleicht liege ich auch falsch? Hat jemand konkrete Erfahrungen oder sogar Daten dazu?
Das ist tatsächlich ne Frage die ich mir auch schon gestellt hab, ich hatte ja in einem anderen Thread schon mal über Dimensionierung nachgedacht (z.B. Unterdimensionierte Klimaanlage – frisst die mehr Strom als nötig?). Aber zum Thema Wirtschaftlichkeit im Winter:
Kurze Antwort: Ja, es kann sich auch unter 5°C noch lohnen – aber es kommt sehr stark aufs Gerät an. Moderne Inverter-Geräte der oberen Klasse (Daikin, Mitsubishi Heavy, Panasonic) schaffen bei -7°C noch einen COP von etwa 2,0 bis 2,5. Das heißt, für 1 kWh Strom kriegst du immer noch 2 bis 2,5 kWh Wärme raus.
Deine Rechnung mit Gas stimmt grob: bei 9-10 Cent pro kWh Nutzwärme (Wirkungsgrad eingerechnet) und 32 Cent Strom brauchst du einen COP von mindestens 3,2 um gleichauf zu sein. Den schafft eine Klimaanlage bei -5°C nicht mehr.
ABER: Bei 0°C bis +5°C liegen viele Geräte noch bei COP 2,8 bis 3,5 – da ist es zumindest konkurrenzfähig. Wenn dein Nachbar ein gut gedämmtes Haus hat und die wirklich kalten Wochen nur einen kleinen Teil des Winters ausmachen, kann die Jahresbilanz trotzdem positiv sein. Entscheidend ist der SCOP über die gesamte Heizsaison, nicht nur der Extremwert. Ich würd ihn mal fragen ob er ne Jahresabrechnung zeigen kann – das wäre der einzige wirklich belastbare Beweis.