Hallo zusammen,
nachdem ich jetzt endlich wieder mit dem Thema Klimaanlage anfange – nach wirklich langen Jahren ohne – stoße ich auf eine Frage, die ich nicht ganz einordnen kann: Wie sieht das eigentlich mit dem Heizen aus?
Ich weiß, dass moderne Split-Klimaanlagen eine Wärmepumpenfunktion haben, aber ich hab bisher immer nur im Sommermodus gedacht. Jetzt lese ich überall, dass man damit viel günstiger heizen kann als mit einer normalen Elektroheizung – so ein Ölradiator oder Heizlüfter halt, den ich bisher im Übergangswinter genutzt habe wenn die Zentralheizung zu überdimensioniert läuft für einen einzelnen Raum.
Konkret würde mich interessieren: Stimmt das wirklich, dass eine Split-Klimaanlage mit Wärmepumpenfunktion deutlich weniger Strom zieht als ein Heizlüfter mit gleicher Heizleistung? Wie groß ist der Unterschied ungefähr? Ich rede da von einem normalen Wohnraum, vielleicht 20-25 qm.
Und was muss ich dabei bei der Auswahl beachten, wenn ich sowieso gerade zwischen Split und Multisplit abwäge? Gibt es da Geräte, die besonders gut zum Heizen geeignet sind, und solche wo die Heizfunktion eher so ein nettes Gimmick ist?
Außerdem: Wie halte ich so ein System dann vernünftig in Schuss, wenn es das ganze Jahr – also auch im Winter zum Heizen – läuft? Ändert sich da was an den Wartungsintervallen?
Danke schon mal, bin gespannt auf eure Erfahrungen!
Also ich frag mich manchmal ob diese COP-Werte im Alltag wirklich so toll sind wie immer behauptet wird. Theoretisch ja, aber in der Praxis hängt so viel davon ab: Gebäudedämmung, Aufstellort der Außeneinheit, ob das Gerät richtig befüllt ist.
Bei Kältemitteln – und das liegt mir wirklich am Herzen – würde ich bei einem Neukauf heute nur noch R290 oder zumindest R32 in Betracht ziehen. Die F-Gase-Verordnung macht R410A perspektivisch zum Auslaufmodell, und wenn du ein Gerät kaufst das du jahrelang nutzen willst, ist das kein unwichtiger Punkt. R290 hat GWP von 3, R410A von über 2000 – das ist kein kleiner Unterschied.
Wartung bei Dauerbetrieb: Filter öfter checken ist Pflicht, und den Kondensatablauf im Winter auf Frost prüfen. Das wird gern vergessen.
Kurze Antwort: Ja, der Unterschied ist real und erheblich. Eine gut ausgelegte Split-Klimaanlage mit Wärmepumpenfunktion hat einen COP von typischerweise 3 bis 4 bei moderaten Außentemperaturen – das heißt, sie liefert aus 1 kWh Strom 3-4 kWh Wärme. Ein Heizlüfter hat immer genau COP 1, da gibt's nichts zu optimieren.
Was mich bei deiner Frage aber interessiert: Achtest du bei der Auswahl auch aufs Kältemittel? Gerade wenn du ein Gerät nimmst das das ganze Jahr läuft – also Kühlen im Sommer, Heizen im Winter – hat das direkt Einfluss auf den GWP-Wert und damit auf die F-Gase-Konformität. R32 ist da schon deutlich besser als das ältere R410A, aber R290 (Propan) schlägt nochmal alles in Sachen Umweltbilanz. Ich hab dazu auch im Thread R290-Klimaanlage in Betrieb nehmen – was bei Inbetriebnahme beachten? einiges geschrieben.
Bei der Wartung: Ja, Ganzjahresbetrieb bedeutet mehr Betriebsstunden – Filter öfter checken, Kondensatablauf im Winter auf Vereisung achten. Kein Hexenwerk, aber regelmäßiger angehen als bei reinem Sommerbetrieb.
Nach 20 Jahren auf dem Bau sag ich dir: Vergiss den Heizlüfter für Dauerbetrieb komplett. Das ist Stromfresser pur. Jede halbwegs vernünftige Klimaanlage mit Wärmepumpenfunktion schlägt den in der Jahresbilanz locker – selbst wenn der COP nur 2,5 ist.
Ein Tipp aus der Praxis: Schau bei der Installation drauf dass die Außeneinheit gut zugänglich bleibt und im Winter nicht einschneit oder vereist. Das vergessen viele, dann wundern sie sich über schlechte Heizleistung. Aufstellort macht mehr aus als mancher glaubt.
Was ich noch ergänzen würde: Schau bei der Auswahl unbedingt auf den SCOP-Wert (Seasonal COP), nicht nur auf COP-Werte die unter Laborbedingungen gemessen wurden. Der SCOP bildet die Effizienz über eine ganze Heizperiode ab und ist damit realistischer für den Vergleich.
Ich dokumentiere seit Jahren meinen Stromverbrauch und kann sagen: Im Heizbetrieb zieht mein Split bei -5°C Außentemperatur real etwa 900W um 2,2 kW Wärme zu liefern – das entspricht COP von ca. 2,4. Bei 5°C Außen sind es eher 3,2-3,5. Ein Heizlüfter mit 2,2 kW braucht immer 2,2 kW – da rechnet sich die Klimaanlage selbst bei schlechteren Bedingungen noch.
Zur Wartung bei Ganzjahresbetrieb: Ich protokolliere bei meinem Multisplit die Druckwerte bei Inspektion, dann sieht man Abweichungen früh. Mehr Betriebsstunden machen die regelmäßige Inspektion wichtiger, nicht weniger.