Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit dem Thema Hygiene bei unserer Split-Klimaanlage, weil wir demnächst für drei Wochen in den Urlaub fahren und die Anlage danach wieder täglich laufen soll. Dabei bin ich auf einen Artikel gestoßen, der beschreibt, dass stehendes Wasser im Kondensatablauf ein echter Nährboden für Legionellen sein kann – besonders wenn die Anlage länger nicht in Betrieb war oder der Schlauch nicht ordentlich gefällt ist.
Jetzt frage ich mich: Wie kontrolliert ihr das eigentlich bei euch? Ich meine nicht nur den groben Check ob das Wasser irgendwo tropft, sondern ob der Ablauf wirklich frei ist, sauber riecht und kein Biofilm drin sitzt. Ich hab den Ablaufschlauch unserer Inneneinheit noch nie gezielt gereinigt, nur die Filter regelmäßig gewaschen. Der Schlauch läuft durch die Wand nach draußen, also sehe ich da nicht viel.
Gibt es irgendein sinnvolles Hausmittel oder Mittel das man da durchspülen kann? Oder muss das wirklich ein Fachmann machen? Ich bin kein Techniker, mache aber gerne selbst Wartungssachen wenn das machbar ist. Für wie realistisch haltet ihr das Legionellenrisiko bei Klimaanlagen generell – vielleicht übertreibe ich das auch? Wäre froh über Erfahrungen aus der Praxis.
Danke schon mal!
Markus
Also ich sehe das Legionellenrisiko bei normalen Wohnraumsplits ehrlich gesagt als ziemlich marginal an. Das wird im Netz gerne aufgebauscht. Legionellen brauchen bestimmte Temperaturen (ca. 25-50°C) UND müssen als Aerosol eingeatmet werden. Der Kondensatablauf gibt kein Aerosol ab.
Trotzdem ist ein verdreckter Ablauf kein schöner Zustand – Biofilm, Geruch, und ggf. Rückstau der das Wasser ins Innengerät treibt. Das ist das eigentlich praktische Problem.
Mein Tipp: Einmal im Frühjahr den Schlauch abklemmen, mit klarem Wasser durchspülen, kurz visuell prüfen ob Schleim drin ist. Wenn der Schlauch fest verbaut ist und nicht ohne größere Arbeit demontiert werden kann, dann einen Fachmann beauftragen – ich hab das bei meiner Installation bewusst so gelöst dass der Schlauch alle 50cm mit einer Schlauchschelle zugänglich bleibt. Das hab ich mir schon beim Selbermontieren so überlegt, da spart man sich später Ärger.
Ich hab mich damit auch mal intensiver beschäftigt, nachdem ich beim Fachbetrieb war – das Thema wurde dort übrigens gar nicht groß angesprochen, die haben einfach den Filter gereinigt und den Verdampfer abgespritzt. Kondensatablauf? Kaum ein Wort drüber. Das hat mich dann selbst ins Recherchieren gebracht.
Das Legionellenrisiko bei Split-Klimaanlagen im Heimbereich ist laut dem was ich gelesen habe tatsächlich gering, weil das Wasser nicht vernebelt wird (anders als bei Verdunstungskühltürmen). Gefährlich wird's vor allem wenn das Wasser aerosolartig in die Raumluft gelangt – das passiert beim normalen Kondensatablauf eigentlich nicht.
Trotzdem finde ich es sinnvoll, den Schlauch einmal im Jahr duchzuspülen. Ich mach das mit warmem Wasser und danach lass ich die Anlage kurz im Kühlbetrieb laufen damit frisches Kondensat durchläuft. Riecht der Abfluss danach immer noch komisch, würde ich schon einen Fachmann ranholen – ein modrig-schimmeliger Geruch deutet auf Biofilm hin der mechanisch entfernt werden muss.
Da ich regelmäßig zur Inspektion gehe (hab das damals schon diskutiert) lass ich den Kondensatweg beim nächsten Termin explizit mit prüfen.
Das Thema hab ich bei mir auch auf dem Schirm, allerdings aus nem anderen Winkel – ich hab meine Anlage per MQTT eingebunden und logge u.a. wie lange sie täglich läuft. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei langen Pausen (Urlaub etc.) das Wasser im Ablauf einfach steht und das kann tatsächlich problematisch werden.
Mein Vorgehen: Ich spüle den Ablaufschlauch einmal im Jahr (meist Anfang Sommer) mit lauwarmem Wasser durch, dem ich einen kleinen Schuss Essigessenz beigemischt habe. Nicht zu viel, sonst greift das die Verbindungen an. Danach nochmal mit klarem Wasser nachspülen. Den Schlauch ziehe ich dafür einfach am Innengerät ab, wenn das zugänglich ist.
Biofilm sieht man oft schon am leichten Schleimfilm innen oder riecht es leicht muffig. Das Legionellenrisiko bei Heimanlagen ist nach meiner Einschätzung deutlich geringer als z.B. bei gewerblichen Kühltürmen, aber null ist es nicht – gerade wenn der Schlauch warm liegt und lange Wasser stagniert. Ich würde das also nicht als Hysterie abtun, aber auch nicht überdramatisieren.
Kurz gesagt: Schlauch einmal jährlich mit klarem Wasser durchspülen reicht für normale Heimanlagen völlig aus. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt verdünntes Wasserstoffperoxid (3%) – das wirkt gegen Biofilm ohne Materialien anzugreifen. Ich mach das vor jedem Sommer, dauert zehn Minuten.