Hallo zusammen,
wir haben seit etwa 3 Wochen eine Split-Klimaanlage in Betrieb und ich mach mir langsam Sorgen wegen des Stromverbrauchs. Zur Situation: 90m² Wohnfläche, Südausrichtung, wir haben eine ziemlich große Fensterfront (ca. 12m² Verglasung ohne nennenswerten Sonnenschutz außen). Laut einem Online-Kühlastrechner sollten 3,5 kW Kühlleistung ausreichen.
Wir haben uns dann für ein Gerät mit genau 3,5 kW entschieden – preislich attraktiv, Inverter-Technik, sollte eigentlich passen.
Problem: An sonnigen Tagen, und die haben wir im Juni dieses Jahr wirklich reichlich, läuft das Ding gefühlt durchgehend auf dem höchsten Level. Die Temperatur im Wohnzimmer geht kaum unter 26-27°C, obwohl das Gerät auf 23°C eingestellt ist. Der Inverter taktet also nicht wirklich runter, sondern fährt quasi Dauervollgas.
Meine eigentliche Frage: Verbraucht ein unterdimensioniertes Gerät das dauerhaft auf Volllast läuft tatsächlich mehr Strom als ein größeres, das denselben Job mit weniger Auslastung schafft? Ich frage mich ob wir mit nem 5-kW-Gerät unterm Strich günstiger wegkämen. Oder ist das ein Mythos?
Bin für jeden Hinweis dankbar, der Stromzähler dreht sich gerade sichtbar...
Markus
Ich stimme den Vorpostens zu, aber möchte eine Zahl in den Raum stellen die vielleicht hilft das zu veranschaulichen.
Ein typisches 3,5-kW-Invertergerät hat bei Nennleistung einen COP von vielleicht 2,8-3,2. Das bedeutet für 3,5 kW Kühlung braucht es ca. 1,1-1,25 kW elektrisch.
Ein 5-kW-Gerät das bei 70% Last (also auch ~3,5 kW Kühlung) betrieben wird, hat typischerweise einen COP von 3,8-4,5 in diesem Bereich. Also nur noch 0,8-0,9 kW elektrisch für dieselbe Kühlleistung.
Über einen heißen Sommertag mit 10 Betriebsstunden macht das dann 3-4 kWh Unterschied. Bei 35 Cent/kWh sind das über 1 bis 1,40 Euro täglich. An 30 heißen Tagen im Jahr summiert sich das auf 30-42 Euro – und das ist noch konservativ gerechnet.
Ich seh das bisschen anders als die anderen hier – nicht grundsätzlich, aber ich würd erstmal prüfen ob wirklich das Gerät schuld ist bevor man 1000+ Euro für ein neues ausgibt.
Habt ihr überhaupt irgendwelche Verschattung probiert? Selbst provisorische Folien innen oder ne Rettungsfolie außen am Fenster? Bei nem ähnlichen Fall hab ich damals die Wärmezufuhr durchs Fenster mit einfachen Mitteln halbiert – das Gerät lief danach problemlos. Kostenpunkt: unter 20 Euro.
Ich hab im Südfront-Altbau-Thread ähnliche Szenarien besprochen – da war am Ende die Kombination aus vernünftiger Verglasung PLUS passendem Gerät die Lösung, nicht einfach mehr Leistung reinwerfen.
Ja, das ist kein Mythos – ein dauerhaft volllastendes Gerät ist fast immer ineffizienter als ein richtig dimensioniertes. Der Witz bei Inverter-Technologie ist ja gerade, dass der Kompressor in einem effizienteren Teillastbereich arbeiten kann. Wenn er aber nie runtertaktet, verlierst du genau diesen Vorteil.
Dazu kommt: Bei Dauervollast arbeitet der Kompressor unter thermisch ungünstigen Bedingungen, der COP (Coefficient of Performance) sinkt. Ich hab das selbst mal durchgespielt bei einem ähnlichen Projekt – hab damals auch im Monoblock-Thread drüber geschrieben. Kurzum: Ein 5-kW-Gerät das auf 60-70% läuft verbraucht für die gleiche Kühlleistung messbar weniger Strom als ein 3,5-kW-Gerät im Dauervolllastbetrieb. Die Frage ist nur ob sich der Umstieg preislich rechnet.
Da würd ich Felix kurz einhaken – guter Punkt mit der Installation, das vergessen viele. Aber selbst wenn alles perfekt installiert ist: Deine Situation klingt für mich einfach nach klassischer Unterdimensionierung.
90m², Südausrichtung, 12m² Glas ohne Außenverschattung – das ist echt eine Menge Wärmeeintrag. Im Juni mit hohem Sonnenstand kann da locker über 5 kW reinkommen allein durch die Fenster. Ich würd mal grob überschlagen: 12m² Südglas, Sonneneinstrahlung um die 600-800 W/m² an einem klaren Junitage, Transmissionsgrad Dreifachverglasung vielleicht 0,6 – macht allein schon rund 4-5 kW Strahlungslast durch die Fenster. Dann kommen noch Personen, Geräte, Wände dazu. 3,5 kW ist da definitiv zu knapp.
Und ja, das günstigere Gerät zieht am Ende mehr Strom bei schlechterer Leistung. Das rechnet sich nicht.