Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor der Frage, welche Kühlleistung ich für mein Zimmer wirklich brauche, und möchte das diesmal nicht einfach dem Verkäufer überlassen. Die Wohnung ist Altbau, Baujahr irgendwann in den 1960ern, die Dämmung ist – sagen wir mal – überschaubar. Das Zimmer hat etwa 28 Quadratmeter, die komplette Außenwand zeigt nach Süden und besteht größtenteils aus einfach verglasten Fenstern, also wirklich eine große Fensterfront. Im Sommer wird es dort unerträglich. Letztes Jahr hatten wir Anfang Juli wieder über 35 Grad draußen, und drinnen ist es kaum besser.
Ich habe gelesen, dass man grob mit 60 bis 100 Watt pro Quadratmeter rechnen kann – aber das kommt mir für so eine schlecht gedämmte Wohnung mit so viel Glasfläche viel zu ungenau vor. Irgendwo hab ich auch was von Sonneneinstrahlung, Außentemperatur-Differenz und Wärmedurchgangskoeffizient gelesen, aber ich blicke da nicht ganz durch.
Wie geht ihr da vor? Gibt es eine vernünftige Methode, das selbst zu berechnen, oder brauche ich dafür wirklich einen Fachmann? Ich will nicht einfach blind eine 12.000-BTU-Anlage kaufen, weil das irgendwie die Standardgröße ist – die könnte ja sowohl zu schwach als auch unnötig überdimensioniert sein.
Für den Sommer 2026 möchte ich das endlich richtig lösen. Danke im Voraus!
Kurz gesagt: Bei Südverglasung und Altbau ohne Dämmung würde ich nicht unter 14.000 BTU planen. Ich hab das bei mir ähnlich unterschätzt, wie ich auch damals beim Monoblock-Einbau gemerkt hab – erst zu klein gekauft, dann nachgerüstet. Das kostet am Ende mehr.
Ich seh das ein bisschen anders als die Vorposter. 14.000 BTU für 28 m² finde ich ehrlich gesagt schon sehr sportlich, selbst mit schlechter Dämmung. Überdimensionierung hat nämlich auch Nachteile: Die Anlage taktet dann ständig kurz an und aus, kühlt den Raum zu schnell runter ohne richtig zu entfeuchten, und der Komfort leidet. Gerade wenn du im Sommer auch nachts drin schläfst, willst du eigentlich eine Anlage, die gleichmäßig läuft.
Ich hab mich selbst durch das Thema Auslegung durchgekämpft, als ich meine Split-Anlage geplant hab – da war die Fensterfläche auch ein entscheidender Faktor, den viele unterschätzen. Für eine erste eigene Berechnung: Miss deine genaue Fensterfläche in m², nimm einen solaren Eintrag von ca. 500 W/m² für Süden an (ohne Verschattung), rechne dann die Wandverluste separat dazu. Bei U-Wert ca. 1,5 W/(m²K) für alte, ungedämmte Wände und 10 K Temperaturdifferenz außen/innen sind das pro Wandquadratmeter 15 Watt – das addiert sich.
Am Ende würde ich sagen: Eine 12.000-BTU-Inverteranlage könnte knapp reichen, aber ich wäre vorsichtig. 14.000 BTU wäre auf der sicheren Seite, wenn du keine Verschattung hast.
Die pauschalen 60–100 W/m² sind wirklich nur ein grober Einstieg, und bei deiner Konstellation würde ich die eher Richtung 120–150 W/m² ansetzen. Großflächige Südverglasung ist das Schlimmste, was du haben kannst – die Sonne strahlt da im Hochsommer mit bis zu 700–800 W/m² drauf, und wenn das Glas einfach verglast ist, kommt fast alles durch.
Eine überschlägige Rechnung: 28 m² × 130 W = 3.640 W Kühlleistung. Das sind ungefähr 12.400 BTU – also wärst du mit einer 12.000er tatsächlich nicht weit weg. Aber das täuscht. Du musst noch die Wärmezufuhr durch die schlecht gedämmte Außenwand dazurechnen, und wenn du auch noch Geräte im Raum betreibst oder Personen da schlafen, summiert sich das.
Mein Tipp: Schau dir die DIN 1946-2 an, da sind die Berechnungsgrundlagen drin. Für eine grobe Selbstrechnung kannst du auch Online-Rechner nehmen, z.B. vom VDI oder einzelnen Herstellern – die fragen Glasfläche, Himmelsrichtung, Wandaufbau und Raumnutzung ab. Das ist deutlich genauer als der Quadratmeterpauschalwert.
Guter Punkt von KlausReinhardt mit der Überdimensionierung – das wird tatsächlich oft ignoriert. Ich hatte das Thema auch schon, als ich überlegt hab, ob sich das Heizen mit der Anlage im Winter lohnt (anderes Thema, aber Auslegung spielt da genauso rein).
Für deine konkrete Situation würde ich folgendes ergänzen: Hast du Außenjalousien oder Rollläden? Das macht einen riesigen Unterschied. Mit guten Außenjalousien kannst du den solaren Eintrag um 60–80% reduzieren, und das verschiebt die nötige Kühlleistung deutlich nach unten. Wenn nein, dann ist die Rechnung ohne Verschattung maßgeblich und du wirst Richtung 3.500–4.000 W Kühlleistung kommen, also eher 14.000 BTU.
Auch wichtig: Welche Raumtemperatur willst du erzielen? 26 Grad oder 23 Grad? Der Unterschied ist nicht egal für die Auslegung. Und – rein Neugier – bist du Mieter? Weil bei Altbauverglasung wäre eigentlich der Vermieter in der Pflicht, aber das ist natürlich ein anderes Thema.