Hallo zusammen,
wir haben seit Anfang Juni eine neue Split-Klimaanlage und langsam mache ich mir ehrlich gesagt Sorgen wegen des Stromverbrauchs. Die Situation: 90m² Wohnfläche, Wohnung geht komplett nach Süden, dazu eine ziemlich große Fensterfront im Wohnzimmer – schätzungsweise 8-9 Quadratmeter Glas. Wir haben das vor dem Kauf mit einem Online-Kühlastrechner durchgerechnet und der hat uns 3,5 kW Kühlleistung empfohlen. Also haben wir ein Gerät mit genau dieser Nennleistung gekauft.
Problem: Seit Anfang Juli läuft das Ding gefühlt rund um die Uhr auf Volllast. Der Inverter moduliert zwar theoretisch, aber laut Anzeige ist er fast immer bei maximaler Frequenz. Das war im Juni noch anders, da lief er öfter runter.
Jetzt frage ich mich: Haben wir das Gerät zu klein gekauft? Und wenn ja – verbraucht ein unterdimensioniertes Gerät, das dauerhaft auf Anschlag läuft, wirklich mehr Strom als ein größeres Gerät, das modulliert? Intuitiv sage ich ja, aber ich kann das nicht wirklich begründen.
Kann mir das jemand erklären? Würde auch gerne wissen ob wir mit dem Gerät irgendeinen Schaden riskieren wenn das so weitergeht.
Danke schon mal
Tobias
Ich seh das im Großen und Ganzen so wie InverterKing, aber einen Punkt würd ich noch ergänzen: Prüf mal ob deine Fenster irgendeine Verschattung haben. Außenrollos oder Raffstores machen bei Südausrichtung einen riesigen Unterschied – teilweise 30-40% weniger Kühllast. Das ist dann quasi kostenlose "Leistungserhöhung" ohne neues Gerät kaufen zu müssen.
Kurze Antwort: Ja, ein unterdimensioniertes Gerät verbraucht unter diesen Bedingungen in der Regel mehr Strom – aber nicht weil es ineffizienter arbeitet, sondern weil es schlicht länger bzw. dauerhaft läuft und die Solltemperatur trotzdem kaum erreicht.
Der eigentliche Effizienzverlust entsteht anders: Ein Inverter-Kompressor hat seinen besten COP (also Effizienz) typischerweise im Teillastbereich, also bei 40-70% seiner Nennleistung. Wenn er dauerhaft an der Kapazitätsgrenze arbeitet, verschlechtert sich der COP messbar. Zusätzlich steigen bei Volllast die Kondensationsdrücke, was den Kompressor thermisch stärker belastet.
Für deine Südausrichtung mit großer Glasfläche würde ich vermuten, dass der Rechner einfach die solare Einstrahlung unterschätzt hat. Im Juli, bei dem was wir gerade haben, kann ein unverschattetes Südfenster locker 600-800 W/m² reinschicken – das summiert sich.
Hab dazu übrigens neulich im Thread über Nacht- vs. Tagbetrieb was geschrieben – Fazit dort war ähnlich: die Nacht nutzen wenn möglich, tagsüber vorkühlen.
Schäden am Gerät entstehen beim Dauerbetrieb auf Volllast normalerweise nicht kurzfristig, aber die Lebensdauer des Kompressors leidet langfristig.