Moin zusammen,
ich grübel gerade über eine Idee für diesen Sommer und wollte mal eure Meinungen hören. Wir haben einen ungenutzten Keller unter unserem Reihenhaus – alter Bestand, Betonwände, keine Fenster, nur eine kleine Kellertür zum Garten. Im Winter ist da drin zuverlässig so 10-12°C, im Sommer laut meinem Thermometer auch nicht mehr als 16-18°C.
Meine Idee: Den Keller als "natürliche Klimazone" nutzen und über ein einfaches Lüftungsrohr die kühlere Luft nach oben ins Erdgeschoss leiten. Also im Grunde eine Art passives Kühlsystem ohne Strom oder Kältemittel – nur durch den natürlichen Temperaturunterschied.
Hat das jemand schon mal gemacht oder kennt ihr ähnliche Ansätze? Ich frage mich vor allem:
– Wie viel Rohr/Querschnitt braucht man damit überhaupt was ankommt oben?
– Reicht natürliche Konvektion oder braucht man einen kleinen Lüfter?
– Gibt es ein Feuchtigkeitsproblem, wenn die feuchte Kellerluft nach oben kommt?
– Und: Lohnt sich der Aufwand oder ist der Effekt zu marginal?
Ich bin kein Profi, hab ein bisschen handwerkliches Geschick, aber keine Ahnung von Strömungslehre. Und eine echte Split-Klimaanlage kommt erstmal nicht in Frage wegen der Mietssituation. Würde mich über Erfahrungen freuen, auch wenn die ernüchternd sind!
Das Prinzip ist grundsätzlich bekannt, nennt sich auch "Erdkühlung" oder erdgekoppelte Luftführung. Funktioniert in manchen Altbauten tatsächlich passiv, aber die Tücke liegt im Detail.
Das größte Problem bei eurer Konstellation dürfte die Feuchtigkeit sein. Kellerwände aus altem Beton ohne Abdichtung geben oft erheblich Feuchte ab. Wenn die dann nach oben ins Wohngeschoss gelangt, riskiert ihr Kondensat an kälteren Flächen – und im schlimmsten Fall Schimmel. Das sollte man wirklich ernstnehmen bevor man anfängt Rohre zu verlegen.
Zur Frage Querschnitt und Lüfter: Bei kurzen Wegen und gutem natürlichem Auftrieb kann ein DN125 oder DN150-Rohr ohne Lüfter durchaus etwas bringen, aber der Effekt ist wirklich begrenzt. Man redet da von vielleicht 1-2°C spürbarer Abkühlung im EG, nicht mehr. Wenn die Temperaturdifferenz zwischen Keller und oben klein wird (was im Hochsommer passiert), lässt die Leistung weiter nach.
Ein kleiner, leiser Axiallüfter mit z.B. 15-20W kann die Sache deutlich verbessern – kostet wenig Strom und macht den Unterschied zwischen "riecht komisch" und "merklich kühler". Aber Feuchteschutz zuerst.
Kenn das Prinzip – haben wir bei einem Bekannten im Selbstbau ausprobiert. Kurzes Fazit: Effekt war da, aber wirklich nur minimal und nur früh morgens wenn die Temperaturdifferenz am größten war. Gegen 14 Uhr hat man davon quasi nix mehr gespürt.
Der Feuchtepunkt wurde ja schon mehrfach angesprochen. Den würde ich wirklich nicht unterschätzen.
Ich seh das Konzept grundsätzlich positiv, aber man sollte realistische Erwartungen haben. 16-18°C Kellerluft klingt erstmal gut, aber warme Raumluft im Sommer hat vielleicht 28-30°C und 50-55% relative Feuchte. Kellerluft mit 80% relativer Feuchte und 17°C hat einen Taupunkt von ca. 13-14°C. Sobald die in dein EG kommt und sich mit wärmerer Luft mischt, passiert zwar nicht direkt Kondensat, aber der gefühlte Komfort durch die höhere Feuchte kann die Kühlwirkung mehr als aufwiegen.
Technisch machbar ist das schon – und wenn euer Keller wirklich trocken ist (unter 65% rF), könnte es einen Versuch wert sein. Aber dafür müsstest du erstmal messen. Günstiger Hygrometer-Datenlogger, 3-4 Wochen Messung, dann weißt du was du hast.
Ein 150er Spiralrohr, ein kleiner Axiallüfter mit 20-30W, ein Hygrostat der nur einschaltet wenn die Kellerluft tatsächlich trockener als die Raumluft ist – das wäre ein sinnvoller Minimalaufbau der nicht viel kostet aber zumindest nicht schadet.
Ich hab ehrlich gesagt ein bisschen Skepsis bei der Idee. Nicht weil das Prinzip komplett falsch ist, sondern weil der Aufwand gerne unterschätzt wird.
Wir hatten in einer früheren Wohnung auch einen kühlen Keller und mein Vater meinte damals "mach doch einfach die Tür auf". Hat nix gebracht außer Modergeruch im Flur, lol. Keller riecht halt nach Keller, und das zieht mit.
Falls du es trotzdem probieren willst: Ich würde zumindest einen kleinen Hygrometer (kostet nix) oben und unten aufstellen und ein paar Tage messen bevor du irgendwas baust. Wenn die relative Luftfeuchtigkeit im Keller über 70% liegt, würde ich das eher lassen. Und den Keller vorher wirklich auf Feuchtigkeitsschäden prüfen – alte Kellerwände ohne Dämmung können heimtückisch sein.
Für Mieter wäre ne mobile Klimaanlage mit Abluftschlauch durch ein Kippfenster erstmal die unkompliziertere Lösung, auch wenn die nicht perfekt ist. Hatte ich mal geschaut im Monoblock selbst eingebaut – welche Probleme hattet ihr dabei?-Thread – da gab's gute Hinweise zu dem Thema.