Hallo zusammen,
ich beschäftige mich jetzt seit gut zwei Jahren intensiv mit meiner Split-Klimaanlage und habe in dieser Zeit versucht, möglichst viele Betriebsdaten systematisch zu erfassen – Stromverbrauch pro Tag, Laufzeiten, tatsächliche Kühlleistung geschätzt über die Raumtemperatur im Verhältnis zur Außentemperatur. Jetzt, im Juli, wo die Anlage wirklich gefordert wird, interessiert mich besonders: Was habt ihr in der Praxis gemessen, und wie weit weichen eure Langzeitdaten vom Datenblatt ab?
Mein konkretes Problem: Der Hersteller bewirbt einen SEER-Wert, der unter realen Bedingungen meiner Messung nach nie erreicht wird. Ich verstehe, dass Laborbedingungen anders sind – aber wie groß ist die Abweichung bei euch? Und führt ihr überhaupt systematische Inspektionen durch, bei denen ihr Reinigungszustand, Filterdurchflusswiderstand oder ähnliches protokolliert?
Ein weiterer Punkt, der mich interessiert: Mobile Geräte und smarte Steuerung werden oft als Wundermittel angepriesen. Ich bin da grundsätzlich skeptisch. Hat jemand wirklich über mehrere Monate hinweg per Energiemonitoring nachgewiesen, dass z.B. eine belegungsbasierte Automatisierung nennenswert Strom spart – oder ist das am Ende nur Komfort mit minimalem messbarem Effekt?
Bin gespannt auf echte Zahlen und Erfahrungen, nicht auf Marketingaussagen. Danke.
Zum Thema Langzeitmessung: ich lasse bei mir seit Februar Daten mitschneiden, COP-Schätzung auf Basis Stromverbrauch und Delta-T Innen/Außen (mit zwei günstigen Temperatur-Sensoren). Ist nicht wissenschaftlich perfekt aber gibt eine Tendenz.
Ergebnis nach ca. 5 Monaten: Teillast deutlich effizienter als Volllast, das überrascht niemanden. Was mich überrascht hat – die Effizienz sinkt stärker wenn die Außentemperatur über 34°C klettert als ich erwartet hatte. An manchen Julitagen ist mein geschätzter COP beim Kühlen kaum noch über 2,0. Datenblatt suggeriert natürlich was anderes.
Zur Frage ob belegungsbasierte Automatisierung wirklich spart: ich sag mal vorsichtig ja, aber der Effekt hängt stark vom eigenen Nutzungsverhalten ab. Wer eh diszipliniert manuell abstellt, spart kaum mehr dazu. Wer die Anlage vergisst laufen zu lassen wenn er das Zimmer verlässt – da ist der Hebel groß. Kommt also drauf an.
Übrigens hatte ich beim Thema Vakuumierung damals einen Thread dazu – auch da gilt: Messdaten statt Bauchgefühl.
Hallo Werner, ich bin da noch nicht so weit wie du mit der systematischen Erfassung, aber ich versuche gerade auch mehr Überblick zu bekommen. Meine Anlage hat eine Hersteller-App, die mir den Verbrauch anzeigt – ob die Werte wirklich stimmen, weiß ich ehrlich gesagt nicht, da steht keine Erklärung zur Messtechnik dabei.
Ich hab mich zuletzt viel mit SEER beschäftigt (hab dazu auch hier im Forum gefragt, ob der SEER im Teillastbetrieb wirklich stimmt) und verstehe jetzt zumindest, dass der Laberwert und der Alltagswert nicht dasselbe sind. Deine Frage bringt mich dazu, vielleicht auch einen einfachen Zwischenstecker-Zähler zu kaufen und selbst mal zu messen. Hast du da eine Empfehlung welche Genauigkeit man mindestens braucht um sinnvolle Rückschlüsse zu ziehen?
Hallo Werner,
als jemand, der seit der Pensionierung sehr viel Zeit in die Pflege und Beobachtung seiner Split-Anlage steckt, kann ich dir sagen: Die SEER-Abweichung im Alltag ist real und meiner Erfahrung nach nicht trivial. Ich führe seit gut 18 Monaten ein einfaches Notizbuch, in dem ich monatlich Filterzustand, Verdampferoberfläche (ob Staub sichtbar ist) und geschätzten Stromverbrauch über den Haushaltsstrommesser festhalte.
Was ich festgestellt habe: Sobald der Filter auch nur mäßig verschmutzt ist, läuft die Anlage spürbar länger, um dieselbe Raumtemperatur zu halten. Das ist kein Mythos. Ich reinige deshalb alle drei Wochen im Sommer – nach Herstellervorgabe eigentlich nur alle vier. Den Unterschied merkt man.
Zum SEER: Ich habe damals im Thread über R32 vs. R410A schon erwähnt, dass Labordaten und Praxis zwei verschiedene Welten sind. Meine Anlage erreicht laut grober Rechnung vielleicht 75–80% des angegebenen SEER. Aber ich habe keine professionelle Messtechnik, nur einen Zwischenstecker-Stromzähler und Raumthermometer.
Ich nutze ein Monoblock-Gerät und habe ehrlich gesagt keine aufwendige Messtechnik. Stromzähler am Gerät zeigt mir den Verbrauch, und ich notiere das ca. einmal pro Woche.
Was ich sagen kann: Wenn ich den Filter nicht reinige (hab das mal drei Wochen ausgelassen, Urlaubsbedingt), hat das Gerät deutlich länger gebraucht um den Raum zu kühlen und war auch lauter. Also der Zusammenhang Filterpflege = Effizienz stimmt auf jeden Fall aus meiner Erfahrung. Mehr kann ich mit meiner einfachen Herangehensweise aber leider nicht beitragen – kein MQTT, kein Home Assistant bei mir.