Hallo zusammen,
ich mache das jetzt seit zwei Sommern so: Mitsubishi Electric MSZ-AP35VGK, dazu ein Energiemessgerät direkt in der Steckdose, und ich protokolliere akribisch Laufzeiten, Außentemperatur und gefühlte Kühlleistung. Der Hersteller verspricht einen SEER-Wert von 8,5 – das klingt fantastisch. Aber wenn ich meinen tatsächlich gemessenen Verbrauch nehme und hochrechne, komme ich im Juli bei 32-35°C Außentemperatur auf deutlich schlechtere Werte. Grob gerechnet lande ich eher bei SEER 5 bis 6, manchmal noch darunter.
Meine Frage: Ist das normal? Ich vermute, die SEER-Labortests laufen unter idealen Bedingungen, die mit einem heißen Dachgeschoss-Sommer in der Praxis nichts zu tun haben. Aber kann die Abweichung wirklich SO groß sein?
Zweite Sache: Ich überlege, eine Automatisierung zu bauen – also die Anlage nur zu bestimmten Tageszeiten laufen lassen, wenn Außentemperaturen noch erträglich sind (früh morgens). Hat jemand das gemacht und gemessen, ob das den COP tatsächlich verbessert? Oder läuft das Gerät dann später sowieso auf Hochtouren und frisst alles wieder weg?
Und eine ehrliche Frage: Rechtfertigt die Inverter-Technologie bei dieser Nutzungsweise wirklich den Aufpreis gegenüber einem On/Off-Kompressor? Ich frage, weil mein Nachbar eine billige On/Off-Anlage hat und bei ähnlichem Raumvolumen ähnliche Stromrechnungen.
Bin gespannt auf echte Erfahrungswerte, keine Theorie aus dem Datenblatt.
Zur SEER-Diskussion kann ich nicht viel beitragen, aber zum Thema Automatisierung kurz: Ich steuere meine Anlage auch zeitgesteuert, hauptsächlich wegen der Luftqualität – morgens läuft sie, damit der Raum durchgekühlt ist bevor ich lüfte. Den Stromverbrauch messe ich nebenbei mit, aber mein Fokus liegt eher auf PM2.5-Werten vor und nach dem Betrieb. Rein von der Logik her macht Vorkühlen bei niedrigen Außentemperaturen absolut Sinn.
Die Abweichung zwischen Laborwert und Praxis ist leider real und kein Fehler deines Messgeräts. SEER wird nach EN 14825 unter festgelegten Normbedingungen gemessen – da ist 35°C Außentemperatur schon die Obergrenze im 'Hochlastszenario', und der Großteil der Berechnung passiert bei moderaten 25-27°C. In deinem heißen Dachgeschoss läuft das Außengerät unter Bedingungen, für die der SEER nie berechnet wurde.
Zur Automatisierung: ich mache bei meiner Daikin genau das – frümorgens vorkühlen lassen, wenn die COP deutlich besser ist. In meinem Home-Assistant-Setup sehe ich live, dass der COP morgens um 7 Uhr bei Außentemp ~22°C deutlich über 4 liegt, mittags bei 35°C kaum noch 2,8 erreicht. Das ist ein riesiger Unterschied. Die Frage ist aber wirklich, ob dein Gebäude die Kühlung bis Nachmittag hält – ohne gute Dämmung verpufft der Vorteil.
Zum Inverter vs. On/Off: kommt auf das Lastprofil an. Wenn deine Anlage eh fast durchläuft (Hochsommer, schlechte Dämmung), relativiert sich der Inverter-Vorteil tatsächlich. Der Inverter glänzt vor allem im Teillastbetrieb.
Ich kenn das Problem – ich hab meine Split-Anlage auch per Home Assistant eingebunden und schaue mir den Verbrauch automatisiert an. Was du beschreibst mit SEER 5-6 in der Praxis klingt erstmal ungewöhnlich niedrig, aber bei einem schlecht gedämmten Dachgeschoss absolut denkbar. Wärmeeinfall durch das Dach ist brutal.
Zur Vorkühlung morgens: ich hab das in HA als Automatisierung laufen. Zwischen 6 und 9 Uhr läuft die Anlage auf Zieltempwratur runter, danach geht sie in einen erhöhten Sollwert (z.B. +2°C). Bei mir bringts messbar was – ca. 15% weniger Verbrauch gegenüber normalbetrieb tagsüber. Aber ich hab Holzbalkendecke mit etwas Dämmung, das speichert halbwegs.
Für die Inverter-Frage: ich würde sagen ja, rechtfertigt sich – aber nicht wegen dem SEER-Aufkleber, sondern weil der Inverter den Kompressor sanft moduliert. Meine Anlage läuft im Teillastbetrieb ohne ständiges Ein- und Ausschalten, das schont das Gerät und hält die Temperatur stabiler. Hatte letztes Jahr nach der Verdampferreinigung übrigens einen Fehlercode, dazu hab ich hier gepostet: Fehlercode nach Verdampferreinigung – Anlage startet nicht mehr – vielleicht relevant falls du auch selbst reinigst.
Meine Messwerte sagen dasselbe wie deine. Hab letzten Sommer angefangen, meinen Energiemonitor stündlich abzulesen und mit Außentemperatur zu korrelieren. Ergebnis: über 33°C Außentemperatur bricht der COP meiner Anlage regelrecht ein. Das ist keine Einbildung, das sieht man schwarz auf weiß in der Tabelle.
Ich hab zusätzlich eine selbstgebaute Beschattung fürs Außengerät gebastelt – Holzrahmen mit Lochblech, Luftzirkulation bleibt erhalten aber direkte Sonneneinstrahlung auf den Verflüssiger ist weg. Das hat mir laut Messung im Juli ca. 10-12% weniger Stromaufnahme bei gleicher Kühlleistung gebracht. Klingt wenig, aber über den ganzen Sommer summiert sich das.
Zur Inverterfrage: ich war da auch skeptisch. Aber der Unterschied zeigt sich wirklich im Teillastbetrieb, nicht wenn das Gerät sowieso Vollgas fährt. Wenn du primär im Hochsommer-Dauerbetrieb bist, relativiert sich der Vorteil – das muss man ehrlich sagen.