Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade damit, unsere zwei Split-Klimaanlagen vor dem Sommer ordentlich zu inspizieren. Dabei bin ich auf das Thema Legionellen gestoßen und muss ehrlich sagen – das hat mich etwas aufgeschreckt. Ich hatte das bisher nur von Duschen und Warmwassersystemen auf dem Schirm, aber nicht von Klimaanlagen.
Jetzt lese ich verschiedene Sachen: Die einen sagen, das Risiko bei Inneneinheiten von Split-Anlagen sei praktisch vernachlässigbar, weil das Kondensat einfach abläuft und sich kein stehendes Wasser bildet. Andere warnen vor Vernebelung über die Luftzirkulation, besonders wenn die Kondensatwanne nicht regelmäßig gereinigt wird.
Mich würde interessieren, wie das bei euch in der Praxis aussieht. Konkret:
– Unter welchen Bedingungen können Legionellen in einer Wohnungsklimanlage überhaupt relevant werden?
– Was macht ihr bei der Inspektion konkret, um das zu verhindern? Gibt es bestimmte Reinigungsmittel oder Prozeduren die man kennen sollte?
– Reicht es, Filter und Wanne einmal im Jahr zu reinigen, oder muss das öfter sein – gerade im Hochsommer wenn die Anlage täglich läuft?
Wir haben ein Kind (5 Jahre) und meine Mutter wohnt auch im Haus, die ist schon etwas älter und hat Atemwegsempfindlichkeiten. Daher nehme ich das vielleicht ernster als manch anderer, aber lieber einmal mehr gefragt als zu sorglos sein.
Freue mich über konkrete Hinweise!
Klaus
Hey Klaus, das Thema kenn ich auch – hab mich da vor einer Weile mal reingelesen, weil ich bei mir auf dem Balkon das Außengerät neu aufgestellt hab (war damals ne ganz andere Baustelle, aber bei der Gelegenheit hab ich die Inneneinheit auch mal genauer angeschaut).
Also zum Risiko: Bei normalen Wohnungs-Splitanlagen ist das Legionellenthema tatsächlich deutlich weniger kritisch als bei Zentralklimaanlagen in Bürogebäuden oder Hotels. Der Grund: In einer Inneneinheit entsteht Kondensat, das eigentlich kontinuierlich über die Kondensatwanne abläuft. Legionellen brauchen stehendes Wasser zwischen ca. 25 und 50 Grad – das ist ihr Wohlfühlbereich. Wenn der Ablauf funktioniert und nichts stagniert, ist das Risiko gering.
ABER – und das ist der Knackpunkt – wenn die Wanne verschlammt ist, der Ablaufschlauch teilweise verstopft oder die Luft einfach Staub und organisches Material einträgt, dann hast du genau die Bedingungen die Legionellen mögen. Vernebelung über den Luftstrom ist dann tatsächlich möglich.
Was ich mache: Einmal vor dem Sommer Wanne mit warmem Wasser und einem milden Desinfektionsmittel (kein aggressiver Chemiekram) auswischen, Ablaufschlauch durchspülen, Filter reinigen. Bei täglichem Betrieb im Sommer würd ich das auch nochmal zur Hälfte der Saison machen, also so Mitte August. Mit Kind und älterer Person im Haushalt würd ich das auf jeden Fall ernst nehmen.
Ich sehe das ein bisschen anders als Markus – nicht grundsätzlich falsch was er schreibt, aber ich würde die Verharmlosung 'deutlich weniger kritisch' relativieren. Das stimmt nur wenn die Anlage sauber gewartet ist. In der Praxis sieht es leider oft anders aus.
Ich hab bei meiner Arbeit schon Inneneinheiten geöffnet, da war die Kondensatwanne mit einem schwarzen Biofilm überzogen – das ist nicht nur potentiell Legionellen, das ist generell ein hygienisches Problem. Gerade bei Anlagen die das ganze Wochenende auf 18 Grad laufen und dann wieder aus sind – dieses Wechselspiel ist ungünstig, weil die Wanne feucht bleibt aber nicht permanent durchspült wird.
Zum konkreten Vorgehen bei der Inspektion:
1. Filterkassetten raus, mit lauwarmem Wasser unter der Dusche abspülen, trocknen lassen
2. Verdampfer vorsichtig mit Klimaanlagen-Schaumreiniger einsprühen (gibt spezielle Produkte, die danach einfach ablaufen) – das ist wichtig, da sammelt sich Schmutz zwischen den Lamellen
3. Kondensatwanne mit feuchtem Tuch und dann mit verdünntem Isopropanol oder speziellem Desinfektionsmittel wischen
4. Ablaufschlauch mit Wasser durchspülen, auf freien Durchfluss prüfen
Das sollte vor dem Sommer und – bei Ihrer Situation mit dem Kind und der älteren Dame – nochmal im September gemacht werden. Zweimal pro Saison ist kein Luxus.
KlimaPlaner55 hat das eigentlich gut zusammengefasst. Ich ergänze nur kurz: das mit dem Biofilm auf der Wanne ist wirklich das Hauptproblem, nicht das Kondensat an sich. Wer seinen Verdampfer nie reinigt und nur die Filter rauszieht, hat da über Jahre eine Schicht aus Staub, Fett und Feuchtigkeit sitzen – idealer Nährboden.
Ein Punkt noch der oft vergessen wird: Der Ablaufschlauch. Der hängt oft irgendwo raus oder endet in einem kleinen Topf. Wenn da unten Schmutz sitzt oder der Schlauch sich aufwärmt (Sonne drauf), kann das stagnierte Wasser im Schlauch selbst problematisch werden. Schlauch einmal im Jahr durchspülen und auf Verformungen oder Verstopfungen prüfen – das kostet 5 Minuten.
Kurz gesagt: Das Risiko ist real, aber handhabbar. Kondensatwanne und Ablauf sauber halten, Verdampfer gelegentlich mit Schaumreiniger behandeln – dann passiert da nichts. Einmal vor dem Sommer, einmal danach, fertig.