Hallo zusammen,
nachdem ich mir diesen Sommer endlich eine ordentliche Split-Anlage gegönnt habe, frage ich mich gerade ernsthaft, ob es energetisch sinnvoll ist, die Kiste nachts durchlaufen zu lassen oder ob ich sie besser abschalte und morgens wieder starte.
Mein Gedankengang: Wenn der Raum nachts auf einem moderaten Niveau gehalten wird – sagen wir 24–25°C – muss die Anlage morgens nicht mehr so stark arbeiten, um wieder auf Wohlfühltemperatur zu kommen. Bei 35°C draußen tagsüber heizt sich der Raum ja brutal auf, wenn man gar nichts macht. Andererseits läuft die Anlage dann eben die ganze Nacht, auch wenn sie wenig Leistung braucht.
Ich mache bei solchen Fragen eigentlich immer meine eigenen Tests, bevor ich Herstellerempfehlungen vertraue – und bei meiner Anlage habe ich zum Beispiel auch Reinigungsintervalle und Filterzustand immer selbst protokolliert, weil Pauschalaussagen meist wenig taugen. Aber beim Thema Nachtbetrieb fehlt mir gerade noch die Erfahrung.
Was ich konkret wissen will: Lohnt sich der Dauerbetrieb auf niedrigem Niveau energetisch gegenüber dem Abschalten und erneutem Hochfahren am Morgen? Gibt es da einen messbaren Unterschied im Stromverbrauch? Hat jemand das ernsthaft verglichen, am besten mit einem Energiemessgerät?
Für mich ist es auch relevant, wie sich das auf den Verdampfer auswirkt – ob der Nachtbetrieb den Wärmetauscher stärker oder weniger stark verschmutzt als Volllastbetrieb am Tag.
Danke für ehrliche Einschätzungen!
Aus meiner Erfahrung mit meiner Split-Anlage – ich warte die seit Jahren selbst und beobachte da einiges – kann ich sagen: Nachtbetrieb auf niedrigem Niveau schont den Kompressor tatsächlich mehr als ständiges An- und Ausschalten. Das gilt vor allem für ältere On/Off-Geräte, wo jeder Neustart einen Anlaufstrom erzeugt.
Beim Verdampfer habe ich übrigens festgestellt, dass langer Dauerbetrieb bei niedrigen Leistungsstufen manchmal zu mehr Kondensatansammlung führt, was wiederum Schmutzablagerungen begünstigen kann wenn die Drainage nicht optimal läuft. Das ist meine persönliche Beobachtung, kein wissenschaftlicher Beweis. Ich reinige meinen Wärmetauscher daher im Hochsommer häufiger als im Rest des Jahres, ungefähr alle 3 Wochen statt monatlich.
Zum Thema GWP und Kältemittel hab ich mich ja auch schon intensiv beschäftigt – Dauerbetrieb hat da keinen direkten Einfluss, solange das System dicht ist.
Ich stecke gerade selbst in der Planungsphase (hab dazu auch schon im Thread Vermieter, Wanddurchbruch, Stromanschluss – was brauche ich für eine Split-Klima? gepostet), also kann ich noch nicht aus eigener Betriebserfahrung sprechen. Aber was ich bei meiner Recherche mitgenommen habe: Eine Inverter-Anlage, die nachts auf 25°C hält, verbraucht im Teillastbetrieb oft deutlich weniger als morgens nochmal von 30+ Grad runterkühlen zu müssen. Der Kompressor läuft dann auf niedriger Drehzahl und das ist effizienter als das erneute Hochfahren mit Volllast.
Allerdings kommt es wirklich auf die Dämmung der Wohnung an. Bei gut isolierten Wänden hält sich die Raumtemperatur nachts vielleicht ohnehin gut, dann rechnet sich der Dauerbetrieb weniger. Bei schlecht gedämmten Altbauwohnungen oder viel Glasfläche sieht das anders aus.
Ob du das mit einem Energiemessgerät vergleichen kannst – gute Idee, würde mich interessieren was rauskommt.
Ich komm ja gerade selbst wieder rein ins Thema nach langer Pause (hab noch viel mit der Rohrleitungsverlegung zu tun, siehe Rohrleitungsverlegung beim Split: Was muss ich unbedingt beachten?), also bin ich noch nicht im Betrieb. Aber zu deiner Frage wegen Verdampferverschmutzung durch Nachtbetrieb – das finde ich einen interessanten Aspekt den ich so noch nirgends gelesen hab. Logisch wäre: bei niedriger Leistung ist auch der Luftdurchsatz geringer, also weniger Staub der durchgesaugt wird. Ob das aber am Wärmetauscher weniger Ablagerungen bedeutet oder nicht, weiß ich nicht. Vielleicht ist die langsamere Luftgeschwindigkeit sogar schlechter weil Partikel sich eher festsetzen statt durchgepustet zu werden. Würd mich interessieren ob du da was rausfindest mit deinen eigenen Tests.
Kurze Antwort: Ja, Inverter nachts auf Minimaldrehzahl laufen lassen ist fast immer effizienter als morgens neu hochkühlen. Ich hab das mit einem Shelly-Steckdosenmesser über zwei Wochen verglichen, einmal mit Nachtbetrieb (25°C Ziel) und einmal komplett aus. Der Unterschied war bei mir ca. 15% weniger Gesamtverbrauch zugunsten des Nachtbetriebs – bei einer Außenwand mit viel Südfenster. Eure Ergebnisse könen abweichen je nach Dämmung.