Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor einer Entscheidung, bei der ich ehrlich gesagt etwas überfordert bin. Unser Büro hat knapp 80m², liegt komplett nach Süden ausgerichtet und hat eine durchgehende Glasfront – ihr könnt euch vorstellen, was da im Sommer abgeht. Gerade jetzt im Juni ist es ohne Klimatisierung schon am Vormittag kaum auszuhalten.
Wir haben 4-5 Arbeitsbereiche, die nicht alle gleichzeitig besetzt sind, weshalb ich eigentlich auf ein Multisplit-System hinaus will. Das Problem, das ich in anderen Foren immer wieder lese: Viele Multisplit-Außengeräte sind auf Volllast ausgelegt und modulieren im Teillastbetrieb (also wenn nur 2 von 4 Innengeräten laufen) so schlecht, dass der COP deutlich einbricht. Das wäre natürlich energetisch und wirtschaftlich ein Problem für uns.
Mich interessiert konkret: Welche Hersteller haben hier aktuell realistische Lösungen? Ich schaue gerade auf Daikin, Mitsubishi Electric, Samsung und LG. Gibt es da nennenswerte Unterschiede in der Teillastmodulation, also wie gut das Außengerät wirklich runterdrosselt wenn nicht alle Kreise offen sind?
Liefert Daikin mit der VRV-Linie hier wirklich einen Mehrwert gegenüber normalen R32-Multisplits oder ist das für 80m² überdimensioniert? Und wie sieht's mit dem COP bei Teillast konkret aus – gibt's da verlässliche Daten oder nur Hochglanz-Prospekte?
Freue mich über jeden Erfahrungsbericht, gerne auch von Leuten die sowas schon in Büros verbaut haben.
Danke!
Guten Tag, ich kenne das Problem aus unserem Vereinsheim, das ist zwar kleiner aber ähnlich ausgerichtet. Wir haben uns damals für Mitsubishi Electric entschieden und ich muss sagen, die Modulation ist wirklich ordentlich. Das Außengerät dreht tatsächlich sehr weit runter wenn man nur ein Innengerät betreibt, man hört es kaum noch. Ob das mit Daikin vergleichbar ist kann ich nicht sagen, da fehlt mir der direkte Vergleich. Was ich aber sagen kann: Lassen Sie sich vom Installateur unbedingt das Teillast-Datenblatt zeigen, nicht nur die Nennleistung. Die Unterschiede zwischen den Herstellern stehen da schwarz auf weiß, werden aber im Verkaufsgespräch gerne übergangen. Für eine Südglasfront dieser Größe würde ich außerdem nicht zu knapp kalkulieren bei der Außengeräteleistung.
Da muss ich Felix-Brandt kurz ergänzen bzw. etwas präzisieren: Ich hab damals für einen ähnlichen Fall (Auslegungsfrage Südfront, siehe auch meinen Beitrag zu dem Thema 28 qm Südfront Altbau – wie rechne ich die nötige Kühlleistung aus?) festgestellt dass der Sonneneintrag durch Glas extrem variiert je nach Verglasung. Einfachverglasung ohne Sonnenschutzfolie ist nochmal eine ganz andere Hausnummer als modernes Sonnenschutzglas.
Zur eigentlichen Frage: LG hatte ich bisher in zwei gewerblichen Projekten drin, die Erfahrungen mit der Teillastmodulation waren durchwachsen. Nicht schlecht, aber Mitsubishi Electric hat in meiner Wahrnehmung die bessere Regelstrategie. Daikin liegt dazwischen. Entscheidend ist auch wie das Gesamtsystem konfiguriert wird – manche Installationsfirmen setzen die Parameter nicht optimal, dann läuft auch ein gutes Gerät suboptimal.
Ehrlich gesagt würde ich die ganzen Herstellervergleiche nicht zu ernst nehmen. Am Ende hängt die reale Effizienz bei Teillast so stark von der konkreten Konfiguration, der Rohrleitungslänge und der Einstellung der Innengeräte ab, dass Datenblätter nur eine grobe Richtung geben. Kauf das Gerät vom Hersteller dessen regionaler Kundendienst bei euch gut aufgestellt ist – im Gewerbeeinsatz ist Servicequalität langfristig wichtiger als 0,3 Punkte COP-Unterschied auf dem Papier.
Also ich seh das bisschen anders als KlausReinhardt, der Servicepunkt ist zwar nicht falsch aber bei Gewerbe-Büro schau ich schon genauer hin was die Technik hergibt.
Konkret zum Thema Teillastmodulation: Mitsubishi Electric veröffentlicht für die MXZ-Serie Kennlinien die zeigen wie der COP sich bei 25%, 50% und 75% Last verhält. Das ist nicht bei allen Herstellern so transparent. Daikin macht das für die normalen Multi-Systeme weniger detailliert als für die VRV-Linie.
Für eure Situation (viele Glasflächen, Südseite, ungleichmäßige Belegung) würde ich wirklich Wert drauf legen dass das Außengerät mindestens auf 30-35% der Nennleistung runtergehen kann ohne in den Taktbetrieb zu fallen. Frag beim Hersteller explizit nach der Mindestellung in kW – die meisten Verkäufer nennen die nicht von sich aus.
Und noch was: Sonnenschutzmaßnahmen parallel zur Klimaanlage können die nötige Kühlleistung so deutlich reduzieren, dass ihr mit einem kleineren Außengerät auskommt das dann auch im Teillastbereich effizienter arbeitet. Das wird leider oft vergessen bei der Planung.