Hallo zusammen,
ich mache gerade meine jährliche Reinigung am Innengerät (Daikin Perfera, läuft seit 2021) und hab dabei was entdeckt, das mich etwas beunruhigt. An mehreren Stellen – ich würde sagen 4-5 Bereiche über die Breite des Verdampfers verteilt – sind die Aluminiumlamellen deutlich verbogen. Keine Ahnung wann das passiert ist, wahrscheinlich beim letzten Einsetzen des Filters nicht aufgepasst oder so.
Jetzt frage ich mich: Macht das wirklich was aus? Ich mein, optisch sieht es nicht schön aus, aber die Anlage läuft doch noch. Gerade jetzt im Juli mit den 35 Grad draußen läuft sie gefühlt mehr als sonst und ich hab das Gefühl, sie kommt etwas schwerer auf Temperatur als in den Sommern davor – aber das kann ja auch einbildung sein.
Konkret: Beeinflusst so ein mechanischer Schaden an den Lamellen den Wärmeübergang und damit messbar den COP oder die Kühlleistung? Oder ist das eher ein optisches Ding und ich mach mir unnötig Sorgen?
Und falls es wirklich relevant ist: Kann ich die Lamellen selbst mit so einem Lamellenrichtkamm wieder hinbiegen ohne was kaputt zu machen, oder ist da Vorsicht geboten? Ich bin technisch nicht ungeschickt, aber bei Kältemittelleitungen dahinter wäre ich natürlich vorsichtig.
Danke schon mal!
Das ist definitiv kein rein optisches Problem, auch wenn viele das zunächst denken. Die Lamellen sind für den Wärmeübergang zwischen dem Kältemittel in den Rohren und der vorbeiströmenden Raumluft zuständig – und wenn sie verbogen sind, entstehen zwei Effekte: Erstens erhöht sich der Strömungswiderstand, der Lüfter muss mehr arbeiten für denselben Luftdurchsatz. Zweitens verringert sich die effektiv nutzbare Übertragungsfläche, weil Luft um die verbogenen Stellen herumgeleitet wird statt sauber durchzuströmen.
Wie stark das den COP beeinflusst, hängt vom Ausmaß ab. Bei 4-5 lokal verbogenen Bereichen kann das durchaus 5-10% Leistungsverlust bedeuten – gerade im Hochsommer wenn die Anlage sowieso nahe am Volllastbetrieb läuft, fällt sowas eher auf als im Teillastbetrieb.
Ein Lamellenrichtkamm ist eine sehr sinnvolle Investition, die kosten nicht viel und du kriegst die für verschiedene Lamellenabstände. Ich hatte das selbst schon erledigt, ist machbar. Aber: Wirklich vorsichtig arbeiten, keine Gewalt, und nur in Richtung der Lamellen drücken, nie quer. Die Kupferrohre dahinter sind zwar robust, aber unnötige mechanische Belastung vermeiden. 28 qm Südfront Altbau – wie rechne ich die nötige Kühlleistung aus? – da hatte ich auch schon über den Einfluss von Leistungsverlusten auf die Raumkühlung geschrieben, ist ein ähnlicher Zusammenhang.
Kurz bestätigt: Ja, das macht was aus. Ich hab mal nach nem Kondensatwasserschaden bei mir ähnliche Lamellenschäden am Innengerät gehabt. Nachher mit dem Richtkamm durchgegangen und die Anlage hat danach spürbar leiser und gleichmäßiger geblasen. Messgerät hatte ich nicht, aber der Unterschied war da.
Ich seh das etwas differenzierter als Klaus oben – 5-10% COP-Verlust würde ich pauschal nicht behaupten ohne zu wissen wie groß die verbogenen Flächen im Verhältnis zur Gesamtfläche sind. Bei einem typischen Innengerät mit sagen wir 0,6m² Verdampferfläche und 4-5 kleinen lokalen Stellen reden wir vielleicht über 3-8% betroffene Fläche. Der tatsächliche Leistungseinfluss ist dann eher im unteren einstelligen Prozentbereich, wobei die erhöhte Druckdifferenz auf der Luftseite durchaus dazu kommen kann.
Für die Praxis: Ja, Lamellenrichtkamm kaufen und selbst richten geht problemlos. Wichtig ist, den richtigen Kamm für deinen Lamellenabstand zu nehmen (steht manchmal im Servicemanual, sonst messen – bei Daikin Perfera meistens 1,2 oder 1,4mm). Ruhig und ohne Druck arbeiten, Kamm komplett durchziehen und nicht mittendrin stoppen.
Dein Gefühl dass die Anlage im Juli mehr läuft könnte aber auch einfach an den diesjährigen Temperaturen liegen – war ja bis jetzt ein ziemlich harter Sommer. Ich würd nach der Reinigung mal 2-3 Tage beobachten ob sich was verändert.